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Kopfweidenpflege in Bokel
 
 
Am Samstag, dem 19. Februar 2006 wurden in Bokel 40 Kopfweiden auf den Kopf gesetzt. Dreizehn Mitglieder und Freunde unserer Gruppe arbeite- ten gemeinsam mit dem Bokeler Landwirt Wilhelm Schnoor und sei- nen Verwandten.
 
 
 
 
Die Webmasterin beim praktischen Naturschutz
 
Links und rechts der Bergstraße in Bokel, die gegenüber der Einfahrt zur Bokeler Mühle beginnt, stehen an die hundert Kopfweiden. Im letzten Jahr wurden die Bäume auf der rechten Straßenseite von unserer Gruppe und Bokelern auf den Kopf gesetzt. In diesem Jahr waren die Weiden auf der gegenüber liegenden Straßenseite dran.
 
Kopfweiden gehören zu unserer norddeutschen Kulturlandschaft. Früher hatten sie eine große wirtschaftliche Bedeutung. Sie lieferten zum Beispiel Material für die Korbflechterei, für Gerätestiele oder für Holzschuhe. Das Holz diente auch als Baumaterial oder als Brennholz.
Heute ist Weidenholz kaum noch gefragt. Aber die Pflege der Bäume ist sehr aufwendig: Bäume wurden früher auf den Kopf gesetzt, weil es an den Schnittstellen zu vermehrtem Längenwachstum kommt. Was aber früher als Vorteil galt, wird heute häufig als Nachteil angesehen. Bei der Pflege fällt viel Schnittmaterial an, für das niemand mehr Verwendung hat.
Entfällt aber die Pflege und die Äste werden zu groß und schwer, droht der Stamm durch die veränderte Statik auseinander zu brechen.
Der Stamm einer alten Kopfweide weist in der Regel viele Hohlräume auf, denn durch den häufigen Schnitt werden diese Bäume schnell morsch. Diese Höhlungen dienen vielen Säugetieren als Versteck und Wochenstube. Hunderte von Insekten sind von diesen Bäumen abhängig und auf den morschen Schnittstellen siedeln sich eine Vielzahl von Pflanzen, Moosen und Farnen an. Kopfweidenhöhlen dienen 11 verschiedenen Vogelarten als Nistplatz. Besonders der stark gefährdete Steinkauz ist auf diese von Mensch und Natur gestalteten Bäume angewiesen.
 
Wir pflegen schon seit Jahren Kopfweiden in der Umgebung und macht auch Neuanpflanzungen, um diesen wichtigen Lebensraum zu erhalten.
 
Die Aktion in Bokel begann um 9:00 Uhr. Es wurde mit drei Motorsägen gearbeitet. Die dünnen Äste kleinerer Bäume konnten man vom Boden aus schneiden. Bei älteren Weiden und in größerer Höhe benötigt man zumindest eine Leiter. Landwirt Wilhelm Schnoor stellte seine Fahrzeuge zur Verfügung. So konnte von einer Traktor-Bühne aus gearbeitet werden, was die Arbeitssicherheit erhöhte, genau wie das von uns speziell für den Kopfweidenschnitt angeschaffte Leichtmetallpodest, auf dem man in einer wesentlich günstigeren Position steht, als auf einer angelehnten Leiter.
Um 9:30 Uhr trafen weitere Helfer ein, um den Weidenschnitt auf Anhänger zu verladen. Um 12:15 Uhr war die Arbeit getan und sämtliche Weidenruten waren abtransportiert. Es musste nur noch kurz die Straße gekehrt werden. Mit dem Traktor wirklich ein Klacks.
Man war allgemein zufrieden mit dem Einsatz und dem Wetter - es hatte im Gegensatz zum Vorjahr nicht geregnet. Hans-Jürgen Raddatz konnte 43 vom NABU Barmstedt geleisteten Arbeitsstunden eintragen. Im Anschluss gab es bei Wilhelm Schnoor eine deftige Bohnensuppe zur Stärkung.
M. Lohmann

Fotos: Kopfweidenpflege in Bokel