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Hochmoore sind Lebensräume
vieler seltener und bedrohter Tier- und
Pflanzenarten.
Neben den typisch Hochmoor-Arten nutzen
auch viele Pflanzen und Tiere, deren
angestammte Lebensräume zerstört wurden,
die Moore mit ihren vielen Zwischenmoorstadien und den aufgeschütteten
Wegen als neuen Lebensraum. So dient die
Renaturierung von degenerierten
Hochmooren der Erhaltung der
Artenvielfalt.
In intakten Hochmooren, in
denen das Regenwasser gehalten wird und
die Torfschicht stetig wächst, wird
mehr organische Masse gebildet als
zersetzt, denn die ständige Sättigung
des Moorkörpers mit Wasser verhindert
den Abbau organischen Materials. Daraus
ergibt sich eine positive Stoffbilanz.
Intakte Moore binden erhebliche Mengen
Stickstoff und Kohlenstoff und tragen
damit zum Klimaschutz bei.
Torfmoose sind in der Lage, große Mengen
Wasser aufzunehmen. Ein Hochmoor mit
intaktem Moorkörper ist ein natürlicher
Wasserspeicher, reguliert den Wasserhaushalt unserer Landschaft und prägt
unser regionales Klima.
In
degenerierten, entwässerten Mooren kehrt
sich die Stoffbilanz ins negative um. Es
werden Stoffe wie Phosphat, Nitrat und
Stickstoff freigesetzt. Stickstoff gelangt auch in Form von Ammoniak und dem
klimaschädlichen Lachgas in die Atmosphäre, und klimawirksame Mengen von
Kohlendioxid werden freigesetzt.
Außerdem geht die
Wasserrückhaltefähigkeit des
Moorkörpers verloren.
Von den
Hochmooren Deutschlands sind mehr als 99%
der Fläche als degeneriert zu
bezeichnen. Unsere Moore wurden zur
Landgewinnung und für den Torf- abbau
mit Entwässerungsgräben und Drainagen
durchzogen. So auch das Klein Offenseth-Bokelsesser
Moor.
Einige Flächen haben aber noch ein gutes
Regenerationspotetial. Mit geeigneten
Maßnahmen kann das Wachstum von
Torfmoosen wieder angeregt werden.
Das wichtigste Ziel
zur Regeneration von Hochmooren ist,
wieder dauerhaft Wasser im Moor zu
halten.
Seit 1984
führt unsere Gruppe umfangreiche
Renaturierungsmaßnahmen im Klein
Offenseth-Bokelsesser Moor durch.
Im Jahr 2003 beschrieb Hans-Jürgen
Raddatz ausführlich in einem 16-seitigen
Moorkonzept die Langfristigen
Entwicklungsziele im Klein Offenseth - Bokelsesser
Moor.
Der Biologe Emanuel Kronas hat 2004 im
Klein Offenseth - Bokelsesser Moor 37
Biotoptypen festgestellt. Von ihm wurde
das Gebiet in 219 Biotope unterteilt. All
diese Biotope haben unterschiedliches
Entwicklungspotential.
Für die Planung von
Regenerationsmaßnahmen sind Kenntnisse
über die zu entwickelnde Fläche von
großer Wichtigkeit.
Zu unseren
ersten und vorrangigen Arbeiten im
Kernbereich des Moores gehörte die
Schließung der Entwässerungsgräben
durch Staumaßnahmen.
Auch das Anlegen von Moortümpeln durch
die Einpolderung regenerationsfähiger
Flächen, wie sie von uns seit 2000
praktiziert wird, dient dem Rückhalt von
Regenwasser in den Flächen.
Restbestände von torfbildenden Moosen
begannen durch diese Maßnahmen wieder
zu wachsen. Wieder vernässte Flächen
sind heute mit verschiedenen Wollgrasarten bewachsen. Die künstlich
angelegten Moortümpel entwickeln sich inzwischen über so genannte
Zwischenmoorstadien mit wiederum
typischer Vegetation. Einer großen
Anzahl von Moorfröschen dienen diese
Tümpel als Lebensraum. Scheue
Entenvögel wie die Krickente halten sich
auf den Teichen auf. Verschiedene
Libellen- und Falterarten sind die
auffälligsten Insekten.
In Bereichen mit Heideflächen wurden
Moorbirken gefällt, um die für diesen
Biotoptyp typischen Pflanzen zu
fördern. Hier findet eine regelmäßige
Mahd und Entkusselung (Entfernen von
jungen Gehölzen) statt, um das dominante
Pfeifengras zu reduzieren und einer
Verbuschung entgegenzuwirken.
So werden zum Beispiel Bestände des
Sprossenden Bärlapp, der Moosbeere und
der Besen-, Glocken- und Rosmarinheide
erhalten und gefördert. Zur Begünstigung von Sonnentaubeständen wird
teilweise in ausgesuchten, geeigneten
Bereichen der Boden abgeplackt (Vegetationsschicht
abtragen). Der Pirol, die Waldschnepfe,
der Kleinspecht sowie der Kranich haben
in dem Biotopsystem des Kernbereiches
regelmäßig Bruterfolg.
Unsere Wiesen im westlichen Teil des
Moores wurden durch die Beseitigung der
Drainage ebenfalls vernässt. Die seltene
Bekassine hat sich auf den Wiesenflächen eingefunden sowie das
Schwarzkehlchen in den entstandenen
Hochstaudenfluren. In den Randsäumen
mit einzeln stehenden Gehölzen hat der
Neuntöter seinen Lebensraum. Der Kranich
führt seinen Nachwuchs auf die Wiesen
und durchziehende Kraniche machen dort
Rast. Die Hochstauden sind Winterquartier
der Kornweihe.
Im
gesamten Moorgebiet brüten heute
insgesamt 80 Vogelarten.
Seit 2007
ist das Klein Offenseth-Bokelsesser Moor
als FFH-Gebiet ausgewiesen und hat somit
europäischen Schutzstatus.
Im Winter
2007 fand ein gemeinsamer Arbeitseinsatz
unserer Gruppe und des 2004 gegründeten
Betreuungsvereins Offensether und
Bokelseßer Moor e. V. statt.
Auf von uns neu erworbenen Flächen
wurden Entwässerungsgräben geschlossen.
Eine Mahd unserer größten Heidefläche
im Kernbereich des Moores mit Motorsensen fand gleichzeitig statt.
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