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Arbeiten im Hochmoor
 
Intakte Hochmoore leisten einen Bei- trag zum Klimaschutz und zur Erhal- tung der Artenvielfalt
Mit Erfolg renaturieren und betreuen wir seit 1984 Flächen im Klein Offen- seth-Bokelsesser Moor.
Im Winter 2007 arbeiteten NABU und Betreuungsverein gemeinsam im Kernbereich des Moores.
 
 
 
Gemeinsame Kaffepause von NABU und Betreuungsverein im 'Schafstall'
 
Hochmoore sind Lebensräume vieler seltener und bedrohter Tier- und Pflanzen- arten.
Neben den typisch Hochmoor-Arten nutzen auch viele Pflanzen und Tiere, deren angestammte Lebensräume zerstört wurden, die Moore mit ihren vielen Zwischen- moorstadien und den aufgeschütteten Wegen als neuen Lebensraum. So dient die Renaturierung von degenerierten Hochmooren der Erhaltung der Artenvielfalt.

In intakten Hochmooren, in denen das Regenwasser gehalten wird und die Torf- schicht stetig wächst, wird mehr organische Masse gebildet als zersetzt, denn die ständige Sättigung des Moorkörpers mit Wasser verhindert den Abbau orga- nischen Materials. Daraus ergibt sich eine positive Stoffbilanz. Intakte Moore bin- den erhebliche Mengen Stickstoff und Kohlenstoff und tragen damit zum Klima- schutz bei.
Torfmoose sind in der Lage, große Mengen Wasser aufzunehmen. Ein Hochmoor mit intaktem Moorkörper ist ein natürlicher Wasserspeicher, reguliert den Was- serhaushalt unserer Landschaft und prägt unser regionales Klima.

In degenerierten, entwässerten Mooren kehrt sich die Stoffbilanz ins negative um. Es werden Stoffe wie Phosphat, Nitrat und Stickstoff freigesetzt. Stickstoff ge- langt auch in Form von Ammoniak und dem klimaschädlichen Lachgas in die At- mosphäre, und klimawirksame Mengen von Kohlendioxid werden freigesetzt.
Außerdem geht die Wasserrückhaltefähigkeit des Moorkörpers verloren.

Von den Hochmooren Deutschlands sind mehr als 99% der Fläche als degene- riert zu bezeichnen. Unsere Moore wurden zur Landgewinnung und für den Torf- abbau mit Entwässerungsgräben und Drainagen durchzogen. So auch das Klein Offenseth-Bokelsesser Moor.
Einige Flächen haben aber noch ein gutes Regenerationspotetial. Mit geeigneten Maßnahmen kann das Wachstum von Torfmoosen wieder angeregt werden.

Das wichtigste Ziel zur Regeneration von Hochmooren ist, wieder dauer- haft Wasser im Moor zu halten.

Seit 1984 führt unsere Gruppe umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen im Klein Offenseth-Bokelsesser Moor durch.
Im Jahr 2003 beschrieb Hans-Jürgen Raddatz ausführlich in einem 16-seitigen Moorkonzept die Langfristigen Entwicklungsziele im Klein Offenseth-Bokelsesser Moor
Der Biologe Emanuel Kronas hat 2004 im Klein Offenseth-Bokelsesser Moor 37 Biotoptypen festgestellt. Von ihm wurde das Gebiet in 219 Biotope unterteilt. All diese Biotope haben unterschiedliches Entwicklungspotential.
Für die Planung von Regenerationsmaßnahmen sind Kenntnisse über die zu ent- wickelnde Fläche von großer Wichtigkeit.

Zu unseren ersten und vorrangigen Arbeiten im Kernbereich des Moores gehörte die Schließung der Entwässerungsgräben durch Staumaßnahmen.
Auch das Anlegen von Moortümpeln durch die Einpolderung regenerationsfähiger Flächen, wie sie von uns seit 2000 praktiziert wird, dient dem Rückhalt von Re- genwasser in den Flächen.
Restbestände von torfbildenden Moosen begannen durch diese Maßnahmen wie- der zu wachsen. Wieder vernässte Flächen sind heute mit verschiedenen Woll- grasarten bewachsen. Die künstlich angelegten Moortümpel entwickeln sich in- zwischen über so genannte Zwischenmoorstadien mit wiederum typischer Vege- tation. Einer großen Anzahl von Moorfröschen dienen diese Tümpel als Lebens- raum. Scheue Entenvögel wie die Krickente halten sich auf den Teichen auf. Verschiedene Libellen- und Falterarten sind die auffälligsten Insekten.
In Bereichen mit Heideflächen wurden Moorbirken gefällt, um die für diesen Bio- toptyp typischen Pflanzen zu fördern. Hier findet eine regelmäßige Mahd und Ent- kusselung (Entfernen von jungen Gehölzen) statt, um das dominante Pfeifengras zu reduzieren und einer Verbuschung entgegenzuwirken.
So werden zum Beispiel Bestände des Sprossenden Bärlapp, der Moosbeere und der Besen-, Glocken- und Rosmarinheide erhalten und gefördert. Zur Begünsti- gung von Sonnentaubeständen wird teilweise in ausgesuchten, geeigneten Berei- chen der Boden abgeplackt (Vegetationsschicht abtragen). Der Pirol, die Wald- schnepfe, der Kleinspecht sowie der Kranich haben in dem Biotopsystem des Kernbereiches regelmäßig Bruterfolg.
Unsere Wiesen im westlichen Teil des Moores wurden durch die Beseitigung der Drainage ebenfalls vernässt. Die seltene Bekassine hat sich auf den Wiesenflä- chen eingefunden sowie das Schwarzkehlchen in den entstandenen Hochstau- denfluren. In den Randsäumen mit einzeln stehenden Gehölzen hat der Neuntöter seinen Lebensraum. Der Kranich führt seinen Nachwuchs auf die Wiesen und durchziehende Kraniche machen dort Rast. Die Hochstauden sind Winterquartier der Kornweihe.

Im gesamten Moorgebiet brüten heute insgesamt 80 Vogelarten.

Seit 2007 ist das Klein Offenseth-Bokelsesser Moor als FFH-Gebiet ausgewiesen und hat somit europäischen Schutzstatus.

Im Winter 2007 fand ein gemeinsamer Arbeitseinsatz unserer Gruppe und des 2004 gegründeten Betreuungsvereins Offensether und Bokelseßer Moor e. V. statt.
Auf von uns neu erworbenen Flächen wurden Entwässerungsgräben geschlossen. Eine Mahd unserer größten Heidefläche im Kernbereich des Moores mit Motor- sensen fand gleichzeitig statt.

M. Lohmann
Fotos: